Presse

Vereinigung der Melkkühe - FAZ 11.05.2013

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.05.2013

Vereinigung der Melkkühe - Warum die neue Autofahrerpartei auch für Radler wählbar ist
 

Die Dummen sind immer die Autofahrer. Ölscheichs und der Staat zocken diese Parias
unserer Gesellschaft ab. Ihre Freiheit wird durch überhandnehmende
Tempobeschränkungen und Radwege eingeschränkt. Und dann sind da auch noch die vielen
Ampeln, die meistens auf Rot stehen und keiner grünen Welle gehorchen. Diesem Elend will
jetzt die vor kurzem in Frankfurt gegründete Autofahrerpartei ein Ende machen. Ihr Motto
lautet: Das Volk und die Autofahrer dürfen nicht länger Melkkühe der Nation sein.Man muss
nicht Autofahrer sein, um die neue Partei wählen zu dürfen. Es sei auch im Interesse der
Radfahrer, der Autofahrerpartei ihre Stimme zu geben, sagt der Bundesvorsitzende Andreas
Uhing, ein Frankfurter Bub, der jetzt in Eschborn wohnt. Der Deal mit den Radfahrern lautet
freilich nicht: "Ihr wählt uns, und wir fahren euch dafür nicht um." Nein, Radler und
Autofahrer haben, so weiß der Gas gebende Vorsitzende, gemeinsame Interessen. Zum
Beispiel daran, dass die Lebensmittel und Güter nicht noch teurer werden. Warum sind sie
teuer? Richtig, weil der Sprit zu viel kostet und die Transportkosten dadurch hochgetrieben
werden.Im Übrigen ist die Autofahrerpartei auch für eine biologische Landwirtschaft und den
Ausschluss von Gentechnik - und damit zweifellos für jeden Grünen wählbar. Außerdem tritt
sie - CDU, zieh dich warm an! - für mehr Sicherheit und Schutz der Bürger vor Aggressionen
etwa in Bahnhöfen ein. Wahrscheinlich meint sie damit die unfreundliche Angewohnheit der
Bahn, Züge unpünktlich abfahren zu lassen. Wie hat es dagegen der Autofahrer gut, der
losfahren kann, wenn er will.Den Anhängern der SPD müsste eigentlich gefallen, dass die
Autopartei bessere Löhne in den Sozial- und Pflegeberufen verlangt. Und der Linken, dass sie
sich effektivere Maßnahmen für Arbeitslose wünscht. Weil die Autofahrerpartei das Los des
ganzen Volkes verbessern möchte, nennt sie sich auch offiziell "Autofahrer- und
Volksinteressenpartei".Ihr Wahlchancen stehen ausgesprochen gut. Als Erstes kann sie auf
die Stimmen der 30 Millionen Autofahrer rechnen. Dann dürfte sie mit ihren überzeugenden
Zielen erheblich bei CDU, SPD, Grünen und Linken wildern. Nur bei der FDP ist nichts für sie
zu holen. Die ist nämlich schon seit Jahrzehnten eine Autofahrerpartei.

rieb.
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